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Interviewleitfaden erstellen: Aufbau, Beispiel und Tipps

Aktualisiert am 11. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit · Von Spire Light

Ein Interviewleitfaden ist die schriftliche Vorbereitung eines qualitativen Interviews: eine geordnete Sammlung von Themen, offenen Erzählaufforderungen und möglichen Nachfragen, an der du dich im Gespräch orientierst. Er sorgt dafür, dass alle Interviews deiner Studie dieselben Themen abdecken, und lässt den Befragten trotzdem Raum, in eigenen Worten zu antworten. Interviews, die mit einem solchen Leitfaden geführt werden, heißen Leitfadeninterviews.

Was ist ein Interviewleitfaden?

Ein Leitfaden ist kein Fragebogen, den du der Reihe nach vorliest, sondern ein Gerüst: Du stellst Fragen in anderer Reihenfolge, wenn die befragte Person ein Thema von sich aus anspricht, und lässt Fragen weg, die schon beantwortet sind. Andreas Witzel (2000) beschreibt den Leitfaden als Gedächtnisstütze und Orientierungsrahmen, der die Vergleichbarkeit der Interviews sichert.

Leitfadeninterviews liegen zwischen dem standardisierten Interview mit festen Fragen und Antwortvorgaben und dem narrativen Interview, das fast ohne Vorgaben auskommt. Cornelia Helfferich (2011) fasst den Anspruch sinngemäß so: so offen und flexibel wie möglich, so strukturiert wie für das Forschungsinteresse nötig. In Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten sind Leitfadeninterviews sehr verbreitet, weil sie sich gut planen lassen und die Antworten nach Themen vergleichbar werden, etwa für eine qualitative Inhaltsanalyse.

Formen des Leitfadeninterviews im Vergleich

„Leitfadeninterview“ ist ein Oberbegriff. Verbreitet sind vor allem das problemzentrierte Interview und das Experteninterview; das narrative Interview ist der Gegenpol.

Das problemzentrierte Interview nach Witzel (2000) richtet sich auf ein gesellschaftlich relevantes Problem und auf die subjektive Sicht der Befragten darauf. Du gehst mit Vorwissen ins Gespräch und nutzt es für deine Nachfragen, bleibst aber offen für die Sicht deines Gegenübers. Witzel nennt vier Instrumente: einen Kurzfragebogen für Sozialdaten, den Leitfaden, die Tonaufzeichnung und ein Postskriptum, das du direkt nach dem Gespräch schreibst.

Das narrative Interview nach Fritz Schütze (1983) arbeitet anders. Am Anfang steht eine einzige Erzählaufforderung, danach erzählt die Person ohne Unterbrechung, oft ihre eigene Geschichte zu einem Thema. Erst wenn diese Haupterzählung endet, fragst du nach: zuerst zu dem, was in der Erzählung angedeutet blieb, danach zu eigenen Themen und mit der Bitte um Beschreibungen und Begründungen.

Problemzentriertes InterviewExperteninterviewNarratives Interview
GrundlageWitzel (2000)Meuser und Nagel (1991)Schütze (1983)
Wen du befragstMenschen, die ein Problem betrifft, zu ihrer subjektiven SichtPersonen in ihrer Funktion, etwa in einer Organisation, zu ihrem WissenMenschen zu ihrer eigenen Erfahrungs- oder Lebensgeschichte
Rolle des LeitfadensGedächtnisstütze und Orientierungsrahmen, damit die Interviews vergleichbar bleibenGibt die Themen vor und hält das Gespräch beim FachwissenKein Leitfaden für die Haupterzählung, höchstens Stichworte für die Nachfragen
EinstiegVorformulierte, offene EinleitungsfrageOffene Frage zur eigenen Aufgabe oder zu einem AblaufEine Erzählaufforderung, danach erzählt die Person ohne Unterbrechung
NachfragenAllgemeine und spezifische Sondierungen, Ad-hoc-Fragen zu fehlenden ThemenGezielte Fragen zu Abläufen, Zuständigkeiten und BeispielenErst zu Angedeutetem aus der Erzählung, dann zu eigenen Themen
Passt gut, wenndu Erfahrungen mit einem klar umrissenen Problem vergleichen willstdich Wissen über Prozesse und Entscheidungen interessiertdu verstehen willst, wie Menschen eine Entwicklung selbst erzählen und deuten

Benenne die Form im Methodenteil und zitiere die Literatur, auf die du dich stützt.

Leitfaden für ein Experteninterview

Ein Experteninterview ist ein Leitfadeninterview mit Personen, die du wegen ihres besonderen Wissens befragst, etwa Personalverantwortliche oder Mitarbeitende einer Behörde. Michael Meuser und Ulrike Nagel (1991) haben die Methode im deutschsprachigen Raum geprägt. Als Expertin oder Experte gilt bei ihnen, wer Verantwortung für den Entwurf, die Umsetzung oder die Kontrolle einer Problemlösung trägt oder privilegierten Zugang zu Informationen über Personengruppen oder Entscheidungsprozesse hat. Gegenstand der Analyse ist dabei nicht die Person als Ganzes mit ihren Einstellungen und ihrer Lebensgeschichte, sondern ihr Wissen als Funktionsträgerin oder Funktionsträger, zum Beispiel über Abläufe und Entscheidungen in einer Organisation. Ausgewertet wird vor allem das Wissen, das mehrere Befragte teilen, im thematischen Vergleich der Interviews.

Für den Leitfaden heißt das:

  • Bereite dich inhaltlich gut vor. Wer das Feld kennt, stellt genauere Nachfragen und wird als Gesprächspartner ernst genommen.
  • Frag nach konkreten Abläufen, Zuständigkeiten und Beispielen statt nach allgemeinen Meinungen, etwa: „Wie läuft das bei Ihnen ab, wenn eine neue Stelle besetzt wird?“
  • Lass Fakten weg, die du in Dokumenten, Berichten oder auf der Website nachlesen kannst. Die Gesprächszeit von Fachleuten ist meist knapp.

Denk besonders an die Anonymisierung: Wer in einer kleinen Organisation eine bestimmte Funktion hat, ist oft auch ohne Namen erkennbar. Kläre vorab, ob die Organisation genannt werden darf, und halte das in der Einwilligung fest.

Leitfaden erstellen mit dem SPSS-Prinzip nach Helfferich

Helfferich schlägt in ihrem Manual Die Qualität qualitativer Daten (2011) vor, den Leitfaden in vier Schritten zu entwickeln. Ihre Anfangsbuchstaben ergeben das Kürzel SPSS, das mit der gleichnamigen Statistiksoftware nichts zu tun hat.

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    Sammeln

    Schreib alle Fragen auf, die dir zu deinem Forschungsthema einfallen, ohne auf Formulierung oder Eignung zu achten. Auch Fragen, die dir naiv vorkommen, gehören auf die Liste.
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    Prüfen

    Geh die Liste kritisch durch und streiche, was nicht in ein offenes Interview gehört: reine Faktenfragen, die ein kurzer Fragebogen schneller klärt, Fragen, die nicht wirklich offen sind, Fragen, die lediglich Vorwissen abfragen, suggestive Fragen und Fragen nach theoretischen Zusammenhängen, die die Befragten gar nicht beantworten können.
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    Sortieren

    Ordne die übrigen Fragen nach Themen. Oft ergibt sich daraus schon eine sinnvolle Reihenfolge, etwa zeitlich vom ersten Kontakt mit dem Thema bis heute.
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    Subsumieren

    Formuliere für jeden Themenblock eine möglichst offene Erzählaufforderung, die am Anfang des Blocks steht. Die übrigen Fragen ordnest du ihr als Stichworte unter. Du stellst sie nur, wenn die Person die Aspekte nicht von selbst anspricht.

Viele Methodenskripte empfehlen, das Ergebnis als Tabelle anzulegen: links die Erzählaufforderung, daneben eine Spalte, in der du abhakst, ob bestimmte Aspekte schon angesprochen wurden, dann konkrete Fragen, die du an passender Stelle wörtlich stellst, und Aufrechterhaltungsfragen, die das Erzählen in Gang halten.

Aufbau: von der Einstiegsfrage bis zum Abschluss

Ein Leitfaden folgt meist diesem Bogen:

  • Einstieg: Vor der Aufnahme erklärst du Ziel und Ablauf und klärst die Einwilligung. Die erste Frage sollte leicht zu beantworten sein und ins Thema führen, etwa nach dem Weg ins Studium.
  • Erzählaufforderungen: Sie eröffnen jeden Themenblock und sind so offen formuliert, dass die Person ausführlich erzählen kann. Nach Witzel soll die Einleitungsfrage für die Befragten „wie eine leere Seite“ wirken, die sie mit eigenen Worten füllen.
  • Aufrechterhaltungsfragen: Inhaltlich neutrale Impulse wie „Und dann?“, „Wie ging es weiter?“ oder „Kannst du ein Beispiel erzählen?“. Dazu gehört auch, Pausen auszuhalten, statt sie sofort mit der nächsten Frage zu füllen.
  • Nachfragen: Kommt ein Aspekt aus deiner Check-Spalte nicht von selbst, fragst du gezielt nach. Greif dabei möglichst die Worte der Person auf: „Du hast vorhin deine Mentorin erwähnt. Wie war das mit ihr?“
  • Abschluss: Eine bilanzierende Frage und die Frage, ob noch etwas fehlt, etwa „Gibt es noch etwas, das dir wichtig ist und über das wir nicht gesprochen haben?“. Danach folgen Angaben wie Alter oder Studienfach, falls du sie brauchst, dann Dank und Ende der Aufnahme.

Direkt nach dem Gespräch schreibst du ein kurzes Postskriptum über Atmosphäre, Auffälligkeiten und erste Interpretationsideen. Witzel (2000) sieht es für das problemzentrierte Interview vor; es hilft bei jeder Form.

Wie viele Fragen ein Leitfaden braucht, lässt sich nicht pauschal sagen. Wichtig ist, dass jeder Themenblock mit einer offenen Erzählaufforderung beginnt und dass du den Leitfaden in der geplanten Gesprächszeit schaffst, ohne zu hetzen. Viele kurze Einzelfragen sind ein Warnsignal: Dann wird aus dem Interview schnell ein mündlicher Fragebogen.

Gute und schlechte Interviewfragen

Gute Fragen bringen die Person zum Erzählen. Wie du Fragen so formulierst, dass Befragte nicht nur mit Ja oder Nein antworten, sondern ausführlich berichten, beschreibt Jan Kruse in Qualitative Interviewforschung. Ein integrativer Ansatz (2015). Thorsten Dresing und Thorsten Pehl haben darauf aufbauend in ihrem Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse (2024) eine Checkliste mit Dos und Don’ts zusammengestellt. Die wichtigsten Punkte mit Beispielen:

StattBesser
Geschlossene Frage: „Warst du mit der Betreuung zufrieden?“Offene Frage: „Wie hast du die Betreuung erlebt?“
Warum-Frage: „Warum hast du das Praktikum gewechselt?“Frage nach dem Prozess: „Wie kam es dazu, dass du das Praktikum gewechselt hast?“
Suggestivfrage: „Das war doch sicher stressig, oder?“Neutrale Frage: „Wie ging es dir in dieser Zeit?“
Fragereihung: „Wie waren die Schule, die Klasse und deine Mentorin?“Eine Frage auf einmal, Nachfragen einzeln
Abstrakte Forschungsfrage: „Welche Professionalisierungsstrategien nutzt du?“Alltagsnahe Frage: „Was machst du, wenn eine Stunde nicht so läuft wie geplant?“
Frage, die das Wissen der Person übersteigt: „Was denkt die Schulleitung darüber?“Frage nach eigener Erfahrung: „Wie hast du die Schulleitung erlebt?“

Faktenfragen gehören ans Ende, weil sie früh im Gespräch ein Frage-Antwort-Spiel auslösen. Formuliere mündlich und alltagsnah: Kleine Wörter wie „doch“ oder „mal“ machen eine Aufforderung weicher, etwa „Erzähl doch mal, wie das angefangen hat.“ Und bewerte Antworten nicht, auch nicht mitfühlend.

Pretest: den Leitfaden ausprobieren

Bevor du die eigentlichen Interviews führst, testest du den Leitfaden in mindestens einem Probeinterview mit einer Person, die deiner Zielgruppe möglichst ähnlich ist. Achte dabei auf diese Fragen:

  • Versteht die Person die Erzählaufforderungen so, wie du sie meinst?
  • Erzählt sie ausführlich, oder antwortet sie knapp, weil die Fragen zu eng sind?
  • Passt die Reihenfolge, und schaffst du alles in der geplanten Zeit?
  • Funktionieren Aufnahme und Mikrofon, bei Online-Interviews auch die Verbindung?

Dresing und Pehl (2024) raten, Probeinterviews aufzunehmen und danach mit der Testperson zu besprechen, wie sie sich gefühlt hat und wo sie sich mehr Erklärung gewünscht hätte. Hör dir auch dich selbst an: Unterbrichst du, kommentierst du Antworten, rutschen dir doch Suggestivfragen heraus? Überarbeite danach den Leitfaden und notiere die Änderungen für den Methodenteil. Ob ein Probeinterview in die Auswertung eingehen darf, klärst du mit deiner Betreuung. Auch dafür brauchst du eine Einwilligung, wenn du es aufnimmst.

Einwilligung, Datenschutz und Aufnahme

Vor jedem Interview steht eine informierte Einwilligung. Die Person muss vorher wissen, worum es geht, dass du das Gespräch aufnimmst, transkribierst und auswertest, wer Zugang zu den Daten hat, wo du sie speicherst, wann du sie löschst und wie du Namen pseudonymisierst. Sag ausdrücklich, dass die Teilnahme freiwillig ist und die Einwilligung widerrufen werden kann. Lass die Einwilligungserklärung (oft auch Einverständniserklärung genannt) unterschreiben und gib der Person eine Kopie.

In Deutschland und Österreich gilt dafür die DSGVO, in der Schweiz das Datenschutzgesetz (DSG). Frag in deinem Institut oder im Methodenzentrum nach einer Vorlage für die Einwilligungserklärung. Je nach Thema, Zielgruppe und Hochschule kann außerdem ein Votum der Ethikkommission nötig sein. Frag deine Betreuung, bevor du die ersten Termine vereinbarst. Das ist ein allgemeiner Hinweis und keine Rechtsberatung.

Kläre auch, womit du aufnehmen darfst. Viele Hochschulen legen fest, welche Geräte, Apps und Dienste für Interviews mit personenbezogenen Daten erlaubt sind, und manche erlauben weder die Diktier-App des Handys noch Apps oder Webdienste anderer Anbieter.

Bevor du Interviews in ein Online-Tool lädst, kläre die Regeln deiner Hochschule. Eine Stimme identifiziert die sprechende Person, deshalb enthält eine Aufnahme auch ohne Namen personenbezogene Daten. Spirelight bietet keinen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) an; abschließen würde ihn deine Hochschule, nicht du. Die Transkription läuft auf EU-Servern, Dateien liegen bei Google Firebase in den USA, KI-Funktionen laufen über OpenAI in den USA. Das muss in der Einwilligungserklärung und den Informationen für deine Teilnehmenden stehen und, falls deine Hochschule ein Ethikvotum verlangt, auch im Antrag.

Wo deine Hochschule es erlaubt, kannst du dein Interview mit dem Online-Diktiergerät im Browser aufnehmen. Die Aufnahme bleibt in deinem Browser, bis du sie herunterlädst, und verlässt dein Gerät erst, wenn du die Datei selbst zum Transkribieren hochlädst. In Spirelight Student bekommst du dann einen Entwurf mit Sprechern und Zeitmarken, den du beim Anhören korrigierst und nach den Transkriptionsregeln deiner Arbeit überarbeitest.

Erfundenes Beispiel: ein Interviewleitfaden als Tabelle

Die folgende Bachelorarbeit ist erfunden. Lea studiert Lehramt und fragt: Wie erleben Lehramtsstudierende ihr erstes Schulpraktikum? Sie plant Leitfadeninterviews mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, die das Praktikum gerade abgeschlossen haben, und entwickelt den Leitfaden nach dem SPSS-Prinzip.

Erfundenes Beispiel: Auszug aus Leas Interviewleitfaden
BlockErzählaufforderungCheck: schon angesprochen?Konkrete FragenAufrechterhaltung
Einstieg„Erzähl doch mal, wie du zum Lehramtsstudium gekommen bist.“„Und dann?“
Die ersten Tage„Erzähl mir doch bitte, wie deine ersten Tage an der Schule abgelaufen sind.“Ankommen im Kollegium; erste eigene Unterrichtsstunde; Kontakt zur Mentorin oder zum Mentor„Wie hast du deine erste eigene Stunde vorbereitet?“„Wie ging es weiter?“
Schwierige Situationen„Denk mal an eine Situation im Praktikum, die schwierig für dich war. Erzähl doch mal, wie das war.“Unterstützung durch Mentorin oder Mentor; Austausch mit anderen Studierenden; Begleitseminar„Wie lief die Rückmeldung nach einer Stunde ab?“„Kannst du dafür ein Beispiel erzählen?“
Abschluss„Wenn du jetzt auf das Praktikum zurückschaust: Was nimmst du für dein Studium mit?“Wünsche an die Vorbereitung durch die Hochschule„Gibt es noch etwas, das dir wichtig ist und über das wir nicht gesprochen haben?“

Fachsemester und Studienfächer fragt Lea erst am Ende ab. Im Pretest merkt sie, dass ihre erste Fassung für den Block „Schwierige Situationen“, „Welche Probleme gab es im Praktikum?“, nur kurze Aufzählungen auslöst. Sie ersetzt sie durch die Bitte, von einer konkreten Situation zu erzählen.

Spricht jemand die Mentorin von selbst an, hakt Lea den Punkt in der Check-Spalte ab und fragt nicht noch einmal. Aus den Themenblöcken des Leitfadens kann sie später Hauptkategorien für die Codierung ihrer Transkripte ableiten.

Häufige Fragen

Was ist ein Interviewleitfaden?
Ein Interviewleitfaden ist die schriftliche Vorbereitung eines qualitativen Interviews: eine geordnete Sammlung von Themen, offenen Erzählaufforderungen und möglichen Nachfragen. Er sorgt dafür, dass alle Interviews dieselben Themen abdecken, und lässt den Befragten Raum, in eigenen Worten zu antworten. Du nutzt ihn flexibel und liest ihn nicht wie einen Fragebogen vor.
Wie viele Fragen hat ein Interviewleitfaden?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Wichtig ist, dass jeder Themenblock mit einer offenen Erzählaufforderung beginnt und die übrigen Fragen als Nachfragen darunter stehen, die du nur stellst, wenn ein Aspekt nicht von selbst kommt. Der Leitfaden muss in die geplante Gesprächszeit passen. Ob das klappt, zeigt dir ein Pretest.
Was ist das SPSS-Prinzip?
Das SPSS-Prinzip von Cornelia Helfferich beschreibt vier Schritte, um einen Interviewleitfaden zu entwickeln: Sammeln von möglichst vielen Fragen, Prüfen und Streichen ungeeigneter Fragen, Sortieren der übrigen nach Themen und Subsumieren, also das Unterordnen der Einzelfragen unter eine offene Erzählaufforderung pro Themenblock. Mit der Statistiksoftware SPSS hat es nichts zu tun.
Was ist der Unterschied zwischen Leitfadeninterview und Experteninterview?
Leitfadeninterview ist der Oberbegriff für Interviews, die mit einem Leitfaden geführt werden. Das Experteninterview ist eine Form davon: Du befragst Personen wegen ihres besonderen Wissens in einer bestimmten Funktion, etwa in einer Organisation. Nach Meuser und Nagel (1991) ist dabei nicht die Person als Ganzes Gegenstand der Analyse, sondern ihr Wissen als Funktionsträgerin oder Funktionsträger.

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