Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring und Kuckartz: Ablauf und Beispiel
Aktualisiert am 11. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit · Von Spire Light
Die qualitative Inhaltsanalyse ist ein Verfahren, mit dem du Texte wie Interviewtranskripte systematisch und nach festen Regeln auswertest. Im Zentrum steht ein Kategoriensystem: Du ordnest Textstellen Kategorien zu, die du aus Theorie und Forschungsfrage ableitest oder am Material entwickelst. Im deutschsprachigen Raum stützen sich die meisten Arbeiten auf Philipp Mayring oder auf Udo Kuckartz und Stefan Rädiker.
Was ist eine qualitative Inhaltsanalyse?
Die Methode hat ihre Wurzeln in der Kommunikationswissenschaft. In den 1920er und 1930er Jahren entstand in den USA die quantitative Inhaltsanalyse von Massenmedien, die Inhalte nach festen Kategorien auszählte. Siegfried Kracauer (1952) wandte ein, dass vorschnelles Auszählen verborgene Bedeutungen übersieht, und forderte, Texte auch qualitativ zu analysieren. Die qualitative Inhaltsanalyse übernimmt von der klassischen Inhaltsanalyse das systematische Vorgehen und die Arbeit mit Kategorien, will aber auch Bedeutungen erfassen, die sich nicht einfach zählen lassen.
Drei Merkmale unterscheiden sie von einer freien Interpretation:
- Regelgeleitetheit: Du arbeitest nach einem vorab festgelegten Ablauf, den andere nachvollziehen können.
- Kategorien im Zentrum: Jede Kategorie ist definiert, und jede Zuordnung einer Textstelle lässt sich begründen.
- Gütekriterien: Die Zuordnungen werden geprüft, etwa indem eine zweite Person einen Teil des Materials codiert.
Sie eignet sich besonders, wenn du mehrere Interviews zu klar umrissenen Themen vergleichen willst, etwa Leitfadeninterviews in einer Bachelor- oder Masterarbeit. Wenn du einzelne Passagen sehr tief und Zeile für Zeile auslegen willst, passt ein rekonstruktives Verfahren aus der Hermeneutik meist besser.
Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
Philipp Mayring hat die Methode seit den 1980er Jahren ausgearbeitet. Sein Lehrbuch Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken liegt seit 2022 in der 13. Auflage vor. Mayring versteht die Methode als regelgeleitete Textanalyse: Das Material wird nach einem Ablaufmodell in Analyseeinheiten zerlegt und Schritt für Schritt bearbeitet. Er unterscheidet drei Grundformen des Interpretierens:
- Zusammenfassung: Du reduzierst das Material durch Paraphrasieren, Generalisieren, Streichen und Bündeln so weit, dass die wesentlichen Inhalte als überschaubarer Kurztext erhalten bleiben.
- Explikation: Zu unklaren Textstellen ziehst du zusätzliches Material heran. Die enge Kontextanalyse nutzt den umgebenden Text, die weite Kontextanalyse auch Informationen über den Text hinaus.
- Strukturierung: Du filterst nach vorab festgelegten Kriterien bestimmte Aspekte aus dem Material heraus. Mayring nennt eine formale, inhaltliche, typisierende und skalierende Strukturierung.
Eng mit diesen Grundformen verbunden sind die zwei Wege der Kategorienbildung, die Mayring (2000) ins Zentrum stellt: Die induktive Kategorienbildung folgt der Logik der Zusammenfassung, die deduktive Kategorienanwendung entspricht der Strukturierung. Bei der induktiven Kategorienbildung legst du ein Selektionskriterium und ein Abstraktionsniveau fest, gehst das Material Zeile für Zeile durch und ordnest jede passende Stelle einer vorhandenen Kategorie zu oder formulierst eine neue. Nach einem Teil des Materials überarbeitest du die Kategorien und gehst dann das gesamte Material endgültig durch. Bei der deduktiven Kategorienanwendung legst du die Kategorien vorab aus der Theorie fest, beschreibst sie in einem Kodierleitfaden und prüfst sie zunächst an einem Teil des Materials.
Qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker
Udo Kuckartz hat einen eigenen Ansatz der qualitativen Inhaltsanalyse ausgearbeitet. Sein Lehrbuch Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung schreibt er seit der 5. Auflage (2022) gemeinsam mit Stefan Rädiker. Die 6. Auflage von 2024 trägt den Untertitel Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz. Kuckartz und Rädiker beschreiben drei Basismethoden:
- Inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse: Du ordnest das Material nach Themen und Unterthemen. Diese Variante hat sich in vielen Projekten bewährt, vor allem bei Leitfadeninterviews.
- Evaluative Inhaltsanalyse: Du schätzt jeden Fall anhand einer Kategorie ein, zum Beispiel, ob die Studienzufriedenheit einer befragten Person hoch, mittel oder niedrig ist. So entstehen Ausprägungen, die du über Fälle hinweg vergleichen kannst.
- Typenbildende Inhaltsanalyse: Du bildest aus der Kombination mehrerer Merkmale, dem Merkmalsraum, Typen von Fällen. Sie kann auf den Ergebnissen einer der beiden anderen Varianten aufbauen.
Die inhaltlich strukturierende Analyse beginnt mit der initiierenden Textarbeit: Du liest die Transkripte, markierst wichtige Stellen, schreibst Memos und Fallzusammenfassungen. Danach entwickelst du Hauptkategorien, oft aus dem Interviewleitfaden, und codierst das gesamte Material damit. Anschließend bildest du am Material Subkategorien und codierst das Material in einem zweiten Durchgang damit. Kuckartz und Rädiker nennen dieses Vorgehen deduktiv-induktive Kategorienbildung. Ausgewertet wird kategorien- und fallbezogen, zum Beispiel mit Fallübersichten.
Kuckartz und Rädiker schreiben „Codieren“ und „Codierleitfaden“ mit C, Mayring schreibt „Kodierleitfaden“ mit K. Gemeint ist im Kern dasselbe Arbeiten mit definierten Kategorien.
Mayring oder Kuckartz? Die Unterschiede im Vergleich
| Mayring | Kuckartz und Rädiker | |
|---|---|---|
| Grundidee | Regelgeleitete Textanalyse mit festem Ablaufmodell und Analyseeinheiten | Systematische Auswertung nach Kategorien und Fällen in mehreren Phasen |
| Varianten | Zusammenfassung, Explikation, Strukturierung | Inhaltlich strukturierend, evaluativ, typenbildend |
| Kategorienbildung | Induktive Kategorienbildung oder deduktive Kategorienanwendung, auch kombiniert | Meist deduktiv-induktiv: Hauptkategorien vorab, Subkategorien am Material |
| Kategorien beschreiben | Kodierleitfaden mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel | Kategoriendefinitionen mit Beispielen in einem Kategorienhandbuch oder Codierleitfaden |
| Ergebnisse | Kategoriensystem, je nach Frage ergänzt durch Häufigkeiten | Thematische Zusammenfassungen und Fallübersichten, Häufigkeiten möglich |
| Prüfung | Intra- und Interkoderreliabilität | Konsensuelles Codieren, Intercoder-Übereinstimmung, Checkliste zur internen Studiengüte |
| Passt gut, wenn | du streng regelgeleitet vorgehen und viel Material verdichten oder theoriegeleitet strukturieren willst | du Leitfadeninterviews thematisch auswerten und Fälle vergleichen willst |
Beide Ansätze sind in Hausarbeiten und Abschlussarbeiten anerkannt. Entscheide dich für einen und bleib bei seinen Begriffen. Wenn du etwa Mayrings Kodierleitfaden mit Kuckartz’ Phasen verbindest, begründe das im Methodenteil, statt die Begriffe beider Ansätze unverbunden zu mischen. Oft gibt auch dein Institut eine Richtung vor; frag deine Betreuung, welcher Ansatz dort üblich ist.
Der Kodierleitfaden: Definition, Ankerbeispiel, Kodierregel
Der Kodierleitfaden ist das Kernstück der deduktiven Kategorienanwendung nach Mayring. Er sammelt für jede Kategorie drei Angaben, die du im Laufe der Analyse ergänzt und überarbeitest:
- Definition: Sie legt fest, welche Textbestandteile unter die Kategorie fallen.
- Ankerbeispiel: Eine konkrete Textstelle aus deinem Material, die als typisches Beispiel für die Kategorie gilt, mit Interviewnummer und Zeile.
- Kodierregel: Sie klärt Abgrenzungsprobleme zwischen Kategorien, damit eine Stelle eindeutig zugeordnet werden kann.
Ein guter Kodierleitfaden ist so genau, dass eine Kommilitonin mit ihm dieselben Stellen codieren würde wie du. Datiere jede Fassung und halte fest, was du geändert hast und warum. Die Endfassung gehört in den Anhang deiner Arbeit. Ein zweites Beispiel für einen Kodierleitfaden und wie du ein Kategoriensystem aufbaust, findest du im Ratgeber zur Codierung.
Ablauf einer qualitativen Inhaltsanalyse in sieben Schritten
Die Schritte gelten im Kern für beide Ansätze. Wo sich Mayring und Kuckartz unterscheiden, steht es dabei.
- 1
Forschungsfrage und Material festlegen
Bestimme, welche Interviews oder Dokumente du auswertest und welche Frage die Analyse beantworten soll. Die Frage entscheidet, welche Kategorien überhaupt relevant sind. - 2
Das Material aufbereiten
Transkribiere die Interviews nach einheitlichen Transkriptionsregeln und pseudonymisiere Namen, Orte und andere Angaben, die Personen erkennbar machen. Nummeriere die Zeilen, damit du Fundstellen später zitieren kannst. - 3
Technik und Analyseeinheiten bestimmen
Wähle die Variante, etwa Mayrings Strukturierung oder Kuckartz’ inhaltlich strukturierende Analyse. Bei Mayring legst du außerdem fest, was die kleinste codierbare Stelle ist (Kodiereinheit), was die größte (Kontexteinheit) und in welcher Reihenfolge du auswertest (Auswertungseinheit). - 4
Kategorien bilden
Leite Kategorien aus Theorie, Forschungsstand oder Interviewleitfaden ab, entwickle sie induktiv am Material oder verbinde beides. Beschreibe jede Kategorie schriftlich. - 5
Probedurchgang und Überarbeitung
Codiere einen Teil des Materials, prüfe, ob die Kategorien trennscharf sind, und schärfe Definitionen und Regeln. Bei Kuckartz testest du die Hauptkategorien zuerst an einem Teil des Materials, bevor du im ersten Codierprozess alles damit codierst. - 6
Das gesamte Material codieren
Codiere alle Transkripte mit dem überarbeiteten Kategoriensystem. Neue Kategorien, die erst jetzt auftauchen, ergänzt du begründet und prüfst die bereits codierten Texte noch einmal. - 7
Auswerten und interpretieren
Vergleiche die Textstellen innerhalb jeder Kategorie, stelle Fälle gegenüber und beantworte die Forschungsfrage. Häufigkeiten kannst du ergänzen, wenn sie zur Frage passen.
Erfundenes Beispiel: KI beim Schreiben von Hausarbeiten
Die folgende Bachelorarbeit ist erfunden. Sie folgt Mayrings deduktiver Kategorienanwendung und verwendet deshalb nur seine Begriffe.
Jana fragt: Wie nutzen Lehramtsstudierende generative KI beim Schreiben von Hausarbeiten? Sie führt acht Leitfadeninterviews und leitet aus dem Forschungsstand vier Kategorien ab: K1 Ideen und Gliederung, K2 Formulierungshilfe, K3 Texterstellung und K4 Bedenken. Kodiereinheit ist ein vollständiger Satz, Kontexteinheit das ganze Interview.
| Kategorie | Definition | Ankerbeispiel | Kodierregel |
|---|---|---|---|
| K2 Formulierungshilfe | Die befragte Person lässt Text, den sie selbst geschrieben hat, von einer KI umformulieren, kürzen, glätten oder übersetzen. | „Ich schreib den Absatz erst selbst und lass ihn dann umformulieren, weil meine Sätze immer viel zu lang sind.“ (B3, Z. 41–42) | Nur kodieren, wenn der Ausgangstext von der befragten Person stammt. Erzeugt die KI neue Inhalte oder ganze Absätze, gilt K3. |
In einem ersten Materialdurchgang mit zwei Interviews findet Jana Stellen wie „ich lass mir sagen, ob meine Argumentation schlüssig ist“, die in keine Kategorie passen. Sie ergänzt K5 Rückmeldung zum eigenen Text mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel, vermerkt die Änderung im Kodierleitfaden und kodiert danach im endgültigen Materialdurchgang alle acht Interviews.
Ohne die Kodierregel hätte Jana Stellen, an denen jemand einen eigenen Entwurf weitgehend neu schreiben lässt, mal K2 und mal K3 zugeordnet. Erst die Regel macht die Zuordnung nachvollziehbar, auch für eine zweite Person, die einen Teil der Interviews kodiert.
Software: MAXQDA, QCAmap und Codieren in Spirelight
Eine qualitative Inhaltsanalyse kannst du mit Textmarker und Tabelle machen. Bei mehreren Interviews hilft Software, weil sie Textstellen, Kategorien und Memos zusammenhält. Sie unterstützt die Analyse, ersetzt sie aber nicht, wie schon Mayring (2000) betont.
- MAXQDA: Das Programm des Berliner Anbieters VERBI ist im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Es unterstützt beide Ansätze und kann die Intercoder-Übereinstimmung berechnen. Manche Hochschulen haben Campuslizenzen; ähnliche Programme sind ATLAS.ti und NVivo.
- QCAmap: Eine Webanwendung aus Mayrings Arbeitsgruppe, die Schritt für Schritt durch seine Ablaufmodelle führt.
Bevor du Interviews in ein Online-Tool lädst, kläre die Regeln deiner Hochschule. Eine Stimme identifiziert die sprechende Person, deshalb enthält eine Aufnahme auch ohne Namen personenbezogene Daten. Spirelight bietet keinen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) an; abschließen würde ihn deine Hochschule, nicht du. Die Transkription läuft auf EU-Servern, Dateien liegen bei Google Firebase in den USA, KI-Funktionen laufen über OpenAI in den USA. Das muss in der Einwilligungserklärung und den Informationen für deine Teilnehmenden stehen und, falls deine Hochschule ein Ethikvotum verlangt, auch im Antrag.
Wo deine Hochschule es erlaubt, kannst du in einem Projekt deine Interviews transkribieren und codieren. Du bekommst einen Entwurf mit Sprechern und Zeitmarken, korrigierst ihn beim Anhören, legst ein Codesystem für alle Interviews an und vergibst Codes per Tastenkürzel. Die Code-Übersicht sammelt alle codierten Segmente in einer Tabelle, mit Häufigkeiten pro Code und CSV-Export. Im Codesystem stehen nur Namen und Farben der Codes, keine Definitionen oder Ankerbeispiele: Dein Kodierleitfaden bleibt in deinem eigenen Dokument. Codiert wird nichts automatisch, und eine Intercoder-Übereinstimmung berechnet Spirelight nicht. Der Editor ist vorerst auf Englisch.
Intercoder-Übereinstimmung und Gütekriterien
Weil die Zuordnung von Textstellen eine Interpretation ist, musst du zeigen, dass sie nicht willkürlich erfolgt. Mayring nennt dafür unter anderem die Interkoder- und die Intrakoderreliabilität. Bei der Interkoderreliabilität codiert eine zweite, in dein Projekt eingearbeitete Person einen Teil des Materials mit deinem Kodierleitfaden, und ihr vergleicht die Ergebnisse. Mayring (2000) senkt dabei bewusst die Ansprüche: Abweichungen dürfen argumentativ geklärt werden, und ein Cohens Kappa über 0,7 gilt ihm als ausreichend. Bei der Intrakoderreliabilität codierst du dasselbe Material nach einiger Zeit selbst noch einmal.
Kuckartz und Rädiker beschreiben zusätzlich das konsensuelle Codieren nach Hopf und Schmidt (1993): Zwei Personen codieren ein Interview unabhängig voneinander, gehen die Unterschiede gemeinsam durch und einigen sich mit Begründung auf eine Codierung. Dabei werden oft Kategoriendefinitionen präziser und strittige Stellen als Beispiele ergänzt. Die Übereinstimmung lässt sich auch berechnen, etwa als prozentuale Übereinstimmung oder mit Cohens Kappa. Welche Werte als ausreichend gelten, beurteilen die Lehrbücher unterschiedlich; richte dich nach deinem Lehrbuch und den Erwartungen deiner Betreuung.
In einer Bachelorarbeit codierst du meist allein. Bitte dann eine Kommilitonin, ein oder zwei Interviews mit deinem Kodierleitfaden zu codieren, und beschreibe im Methodenteil, wie ihr Abweichungen geklärt habt und was du daraufhin am Leitfaden geändert hast. Welche weiteren Kriterien qualitativer Forschung du nennen kannst, etwa die Verfahrensdokumentation, steht im Ratgeber zu den Gütekriterien.
Häufige Fragen
- Was ist eine qualitative Inhaltsanalyse?
- Die qualitative Inhaltsanalyse ist ein Verfahren, mit dem du Texte wie Interviewtranskripte systematisch und nach festen Regeln auswertest. Du ordnest Textstellen Kategorien zu, die du aus Theorie und Forschungsfrage ableitest oder am Material entwickelst. Im deutschsprachigen Raum stützen sich die meisten Arbeiten auf Philipp Mayring oder auf Udo Kuckartz und Stefan Rädiker.
- Was ist der Unterschied zwischen Mayring und Kuckartz?
- Mayring versteht die qualitative Inhaltsanalyse als regelgeleitete Textanalyse mit festem Ablaufmodell und unterscheidet Zusammenfassung, Explikation und Strukturierung. Seine Kategorien beschreibt er in einem Kodierleitfaden mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel. Kuckartz und Rädiker beschreiben eine inhaltlich strukturierende, eine evaluative und eine typenbildende Analyse, arbeiten meist deduktiv-induktiv und werten nach Kategorien und Fällen aus. Beide Ansätze sind anerkannt; wichtig ist, dass du einen wählst und bei seinen Begriffen bleibst.
- Wie bilde ich Kategorien induktiv oder deduktiv?
- Deduktiv leitest du Kategorien vorab aus Theorie, Forschungsstand oder Interviewleitfaden ab, beschreibst sie mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel und prüfst sie in einem Probedurchgang am Material. Induktiv legst du ein Selektionskriterium und ein Abstraktionsniveau fest, gehst das Material Zeile für Zeile durch und formulierst Kategorien aus dem Text heraus. Nach einem Teil des Materials überarbeitest du sie. Viele Arbeiten verbinden beides, etwa mit Hauptkategorien aus dem Leitfaden und Subkategorien aus dem Material.
- Welche Software eignet sich für die qualitative Inhaltsanalyse?
- Verbreitet ist MAXQDA, ähnliche Programme sind ATLAS.ti und NVivo. Mayrings Arbeitsgruppe hat die Webanwendung QCAmap entwickelt, die durch seine Ablaufmodelle führt. Wenn deine Hochschule das Hochladen von Interviews erlaubt, kannst du in Spirelight transkribieren und mit einem Codesystem codieren; deinen Kodierleitfaden führst du daneben in einem eigenen Dokument, denn das Codesystem enthält nur Namen und Farben der Codes. Software unterstützt die Analyse, die Zuordnung der Textstellen bleibt deine Entscheidung.
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